Wie ein niederländisches Gruppenprogramm ADHSlerinnen zyklusangepasst stärkt
In einer aktuellen klinischen Studie aus den Niederlanden wurde ein frauenspezifisches Gruppenprogramm vorgestellt und untersucht, das einen völlig neuen Ansatz in der ADHS-Behandlung verfolgt (de Jong et al. 2024). Festgestellt wurde, dass wer die zyklischen Einflüsse von Östrogen auf das ohnehin dysregulierte Dopaminsystem versteht und aktiv in den Alltag einbezieht, erleidet weniger heftige Symptomverstärkungen. Beruflich kann das dann zum Beispiel bedeuten: Man kann die eigene Leistungsfähigkeit im Beruf viel besser steuern und ist der Symptomverstärkung in manchen Phasen nicht hilflos ausgeliefert.
ADHS bei Frauen wird in der klassischen Medizin oft noch linear und damit unzureichend behandelt, auch das erwähnt die Studie. Betroffen sind hiervon vor allem Frauen, bei denen sich in der premenstruellen Woche (häufig begleitet von PMS/PMDD) die ADHS-Symptomatik drastisch verschlimmert. Die Studie macht deutlich, dass sinkende Östrogenspiegel das verfügbare Dopamin im Gehirn mit in den Keller reißen. Für AuDHSlerinnen bedeutet das konkret: Die Executive Dysfunction nimmt zu, sensorische Reize überfluten das System schneller, Medikamente wirken unberechenbarer und die Energie zum Maskieren schwindet, was das Risiko für Meltdowns massiv erhöht. Beruflich ist das also eine Phase, die extrem sensibel ist. Die gute Nachricht der Studie: Das Gruppenprogramm arbeitete mit einem speziellen Zykluskalender, um die individuellen Symptome sichtbar zu machen. Die Auswertung zeigt, dass die strukturierte Verknüpfung von Zyklusphase und ADHS-Alltag bei den Teilnehmerinnen zu einem tiefen biologischen Selbstverständnis führte. Neben der Reduktion von Selbstverurteilung (z. B. bei zyklischem Heißhunger oder Antriebslosigkeit) stärkte der Austausch im reizarmen, maskierungsfreien Raum die radikale Selbstakzeptanz. Die Frauen lernten, ihre biologischen Grenzen ernst zu nehmen, sensibler auf körperliche Trigger zu reagieren und ihre Lebensplanung zyklisch statt linear zu gestalten.
Studienquelle: de Jong et al. – A Female-Specific Treatment Group for ADHD—Description of the Programme and Qualitative Analysis of First Experiences. (Published in Journal of Clinical Medicine, 2024).
